Momentum Ausgabe #2 2021

Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren,

suchen Sie noch Weihnachtsgeschenke für Ihre Lieben? Wie wäre es dieses Jahr denn mal mit einem Print von Banksy oder einer Skulptur von Jeff Koons? Zu teuer? Dann kaufen Sie doch nur einen Teil. Was zunächst verrückt klingt, ist seit 2021 Wirklichkeit. Mittels Blockchain-Technologie werden Bruchteile realer Kunstwerke verschlüsselt und als sogenannte NFTs (Non Fungible Token) gehandelt. So konnten Privatanleger im September 790 Anteile des Editions-Sets “Balloon Animals, Set I” zu je 50 Euro erwerben. „Innerhalb von gut fünf Minuten waren alle Anteile verkauft“, erzählt Rüdiger K. Weng, Mitinitiator des „Drops“ und Gründer von Deutschlands profitabelstem Kunsthandelsunternehmen. In unserem Vorstandsinterview beleuchten wir die Auswirkungen von Tokenisierung und Fraktionalisierung auf den Kunstmarkt, institutionelle Investoren und die Entwicklung der Weng Fine Art AG.

Den Trend zur Kryptokunst noch befeuern, dürfte die jüngste Inflationsentwicklung. Im November hat die monatliche Teuerungsrate in Deutschland erstmals seit fast 30 Jahren wieder die 5%-Marke überschritten. Zwar sieht die EZB den Höhepunkt erreicht, doch die Inflationserwartungen steigen und bei Google Trends hat sich der Suchbegriff auf ein neues Allzeithoch im seit 2004 laufenden Erfassungszeitraum katapultiert. Wir stellen uns in unserem aktuellen Aufreger-Thema deshalb die Frage, welche Anlagemöglichkeiten bieten eigentlich den besten Inflationsschutz? Kunst-NFTs haben wie tokenisierte Diamanten, Uhren oder Oldtimer den Vorteil eines realen Underlyings. Und ein Blick auf den artprice100 Index verrät, dass die Auktionspreise für die Werke der 100 erfolgreichsten Künstler seit der Jahrtausendwende durchschnittlich um knapp 9% pro Jahr gestiegen sind.

Aber auch KMU-Anleihen sind eine naheliegende Antwort. Selbst ohne einen Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus liegen die Kupons anders als in anderen Segmenten größtenteils immer noch oberhalb der aktuellen Teuerungsrate. Wie sich der KMU-Anleihemarkt 2021 entwickelt hat, welche Trends uns weiter begleiten werden und in welche Richtung sich die Kupons bewegen, beleuchten wir in unserem Blickpunkt. Präsentierte sich das Segment lange Zeit überraschend immun gegenüber der Pandemie, hat das Auftauchen von Omikron die Kurse zuletzt gen Süden geschickt. Das gilt allerdings segmentübergreifend, so verfügten zum Ende der KW 48 nur noch rund 35% der im Prime-All-Share notierten Aktien über eine relative Stärke mit einem RSL-Wert von mindestens 1,00. Suchen Sie Ihre Favoriten in unserer aktuellen RSL-Auswertung.

Auch 2022 werden wir Sie wieder über aktuelle Themen und Kursentwicklungen auf dem Laufenden halten. Und weil das Jahresende die Zeit der guten Vorsätze ist, nehmen wir uns fest vor, die Erscheinungsfrequenz unseres Momentums wieder zu erhöhen. Vorher aber wünschen wir Ihnen viel Vergnügen beim Lesen der heutigen Beiträge, einen erfolgreichen Jahresendspurt sowie eine friedvolle und vor allem gesunde Weihnachtszeit!

Herzlichst,
Ihr Axel Rose & das gesamte BankM-Team

Aufreger des Monats

Inflation auf 30jahreshoch – Reale Renditen unter Druck

Die Preise sind in Deutschland im November so stark gestiegen wie zuletzt 1992. Längst gehen nicht mehr alle Ökonomen und Marktbeobachter von einem vorübergehenden Phänomen aus. Der Werterhalt, immer noch das Hauptanlageziel der meisten Family Offices, ist allein mit risikoarmen Investments immer schwieriger erzielbar. Kapitalmarktprodukte gewinnen deshalb an Bedeutung.

Banknote von 1923 (Auckland Museum, CC BY-SA-4.0, via Wikimedia Commons, unbearbeitet)

Von Axel Rose

Risikoübernahme ist eine elementare Facette des Unternehmerbegriffs. Mit Blick auf das Familienvermögen zeigen sich die deutschen Firmenlenker jedoch eher vorsichtig. Für fast die Hälfte (47%) besteht das Anlageziel gemäß einer aktuellen Umfrage im Werterhalt. Dies dürfte sich mit risikoarmen Anlagen jedoch immer schwieriger erreichen lassen, denn das Inflationsgespenst nimmt immer realereZüge an: Nach +4,1% im September und 4,5% im Oktober, überschritt die monatliche Teuerungsrate in Deutschland im November erstmals seit knapp 30 Jahren wieder die 5%-Marke. Vorläufig gemessene 5,2% sind der höchste Wert seit Juni 1992.

Zwar beobachten die Märkte den Anstieg schon länger sorgenvoll, doch überwog bislang die Meinung, es handele sich um ein kurzfristiges Phänomen basierend auf Basis- und Sondereffekten. Befürworter dieser Theorie argumentieren mit niedrigen Vorjahreswerten, dem Auslaufen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung, dem Start der CO2-Bepreisung und einem Wiederanstieg der Produktion mit Ende der globalen Lieferengpässe. Dies ähnelt der offiziellen Kommunikation der Notenbanken. So sieht die EZB den Höhepunkt jetzt erreicht und erwartet für 2022 einen Rückgang der Teuerungsrate auf rund 2% analog zur neuen geldpolitischen Strategie. Seit Juli bildet die 2%-Marke keine feste Obergrenze mehr, sondern ein symmetrisches Inflationsziel mit möglichen Abweichungen nach unten und oben.

Erwartete Inflation gestiegen

Entscheidend für den Eintritt des prognostizierten Szenarios dürfte sein, inwieweit es gelingt, die Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Lange Zeit waren diese trotz steigender Preise relativ solide verankert. Behalten diejenigen Recht, die von andauernden Lieferengpässen, steigender CO2-Bepreisung und zunehmender Deglobalisierung ausgehen und deshalb auch künftig teurere Preise erwarten, könnte sich das jedoch schnell ändern. Schon jetzt rechnen gemäß aktuellem Bundesbank-Panel mehr als 80% der Privatpersonen mit zum Teil deutlich steigender Inflationsrate. Der Mittelwert der Erwartungen für die kommenden zwölf Monate liegt mittlerweile bei über 4%. Marktnähere Indikatoren wie die Breakeven-Inflationsrate, die sich aus dem Renditeunterschied zwischen normalen und inflationsindexierten Anleihen mit vergleichbarem Risiko und gleicher Laufzeit berechnet, zeichnen ein ähnliches Bild, auch wenn die eingepreisten Inflationserwartungen für die kommenden Jahre immer noch deutlich unter den aktuellen Teuerungsraten liegen.

Besonders im Auge behalten, dürften Vertreter beider Glaubensrichtungen die kommenden Tarifverhandlungen. Bislang waren die Lohnforderungen vor dem Hintergrund der Pandemie noch vergleichsweise verhalten, doch das muss nicht so bleiben. Die Gewerkschaften bringen sich mit Blick auf die jüngsten Inflationsraten jedenfalls schon einmal in Stellung. Eines ist klar: Sollte sich tatsächlich eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, werden wir uns an steigende Preise erst einmal gewöhnen müssen. Immer mehr Unternehmerfamilien sorgen sich deshalb um den langfristigen Erhalt des Betriebs- und Privatvermögens. Auf eine baldige Zinswende sollte sich dabei auch bei anhaltender Teuerung niemand verlassen – angesichts einer noch immer herrschenden Pandemie mit anhaltender konjunktureller Unsicherheit und gestiegenen Staatsschulden sind der EZB de facto die Hände gebunden.

Anlagemöglichkeiten im Vergleich

Was also tun, wenn die Zinsen langfristig unter der Inflationsrate liegen könnten? Um das Vermögen zu schützen oder gar zu mehren, müssen Unternehmerfamilien weg von den vermeintlich sicheren festverzinslichen Anlagen und hin zu mehr Risiko und Diversifikation. Insbesondere Kapitalmarktprodukte müssen an Bedeutung gewinnen. Doch welche Assetklasse kann hinsichtlich Inflationsschutz und Risiko-Rendite-Verhältnis besonders punkten? Eine naheliegende Antwort sind Hochzinsanleihen. Selbst wenn man nicht mit einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus rechnet, liegen die Kupons hier in der Regel oberhalb der aktuellen Teuerungsrate. Weil die Kurse am gesamten Rentenmarkt angesichts der Inflationsentwicklung zuletzt unter Druck geraten sind, bieten sich zudem teilweise gute Einstiegschancen zu gestiegenen Renditen. Gegenüber Investment-Grade-Anleihen zeichnen sich High-Yield-Papiere gemessen an der Duration außerdem durch eine niedrigere Zinssensitivität aus.

Während das Risiko-Rendite-Verhältnis bei inflationsbedingt steigender Volatilität derzeit für Anleihen spricht, eignen sich Aktien auf lange Sicht häufig gut als inflationsgeschützte Anlage. Mit Blick auf frühere Marktphasen haben sich Aktienindizes gerade bei moderater Inflation gut entwickelt. Entscheidend ist jedoch die Auswahl. Den besten Inflationsschutz bieten Anteile an Firmen, die über eine gewisse Preissetzungsmacht verfügen. Können die Unternehmen die höheren Kosten an ihre Kunden weitergeben, bleiben die Gewinnmargen stabil und die Aktien verlieren nicht an Wert. Im besten Fall kommen noch Dividendenausschüttungen dazu.

Ein spannender Mittelweg sind Wandelanleihen. Die Anlageklasse vereint das Kurssteigerungspotenzial von Aktienmit der anleihetypischen Absicherung nach unten und bietet einen guten Schutz gegen Inflationsängste: Denn wenn die Zinssätze steigen, gewinnt die Optionskomponente im Regelfall an Wert. Zusammen mit der typischerweisekürzeren Duration reagieren Wandelanleihen dadurch weniger sensibel als andere Anleihen auf Zinsschwankungen. Ihr besonderes Risiko-Rendite-Profil macht Wandelanleihen für Investoren, die Solvency II unterliegen, zudem auch aus regulatorischen Gründen interessant. So kann die Eigenkapitalunterlegung unter Umständen niedriger ausfallen als bei anderen Anlageformen.

Zauberwort Diversifikation

Gerade bei Wachstumsunternehmen liegt ein weiterer Vorteil von Wandelanleihen darin, sich frühzeitig einen Zugriff zu sichern. Dies gilt natürlich erst recht für Direktinvestments im Start-up- und Venture-Umfeld, die eine attraktive Kombination aus relativ niedrigen Bewertungsniveaus und höheren Einflussmöglichkeiten bieten. Vermögende Unternehmer agieren hier häufig über Co-Investments innerhalb geeigneter privater Netzwerke. Der Zugang zu solchen Anlagemöglichkeiten mit entsprechend hohen Renditechancen ist mitunter sehr exklusiv. Die Mindestinvestitionssumme beträgt in der Regelrund 100.000 EUR, kann in Abhängigkeit von den Erfordernissen und mit fortschreitender Unternehmensentwicklung jedoch auch deutlich höher liegen. Co-Investoren sollten zudem folgende Finanzierungsrunden im Hinterkopf haben, um nicht zu stark verwässert zu werden. Für besonders techaffine Family Offices können auch Krypto-Assets einespannende Option sein. Hier braucht es jedoch starke Nerven, denn die Volatilität ist hoch. Das vereint sich nur bedingt mit dem Wunsch vieler Unternehmerfamilien nach Robustheit und Entnahmemöglichkeiten. Entsprechend niedrig sind die Anteile an den Gesamtportfolios.

Am Ende heißt das Zauberwort ohnehin Diversifikation – wobei das eigene Unternehmen in der Regel das größte Klumpenrisiko darstellt. Auch hier kann der Kapitalmarkt zur Lösung beitragen. Ein Börsengang bietet oft die beste Wahl, um das Familienvermögen zu diversifizieren, gleichzeitig Kontrolle über das Lebenswerk zu behalten sowie den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern.

Veröffentlicht in der Unternehmeredition Ausgabe 4/2021 (Unternehmervermögen / Mittelstand & Kapitalmarkt)

Blickpunkt

KMU-Anleihen 2021 – Viele helle Töne und ein Ende in Moll

Der Advent ist nicht nur die Zeit für Kerzenschein und Plätzchenduft, sondern auch für Jahresrückblicke und Zukunftsprognosen. Da darf der Markt für KMU-Anleihen natürlich nicht fehlen. Auch wenn der Schlussakkord in Moll erklingt, präsentierte sich das Segment 2021 allen Widrigkeiten zum Trotz lange Zeit sehr stabil. Wesentliche Trends werden uns voraussichtlich auch 2022 begleiten.

Von Markus Knoss

Am Black-Friday purzelten nicht nur bei Einzelhändlern und E-Commerce-Plattformen die Preise. Auch am Kapitalmarkt ging es kräftig bergab. Auslöser war mit B.1.1.529 kein Rabattcode, sondern eine neue, als besorgniserregend eingestufte Corona-Variante. Angesichts der bereits zuvor angespannten Pandemielage, steigt die Angst vor einem neuen Lockdown mit drastischen Einschränkungen auch für die Wirtschaft und lässt Investoren die Risiken für ihre Depots deutlich reduzieren. Das bekamen auch die KMU-Anleihen zu spüren. Einzelne Werte verloren in der Spitze 20 bis 30 Prozentpunkte, der GBC-Mittelstandsanleihenindex fiel auf den niedrigsten Stand im gesamten Jahr.

Dabei zeigte sich das Segment lange Zeit überraschend immun gegenüber der Pandemie. Entgegen der Befürchtungen vieler Kritiker gingen die zweite und dritte Welle mehr oder weniger spurlos vorüber, eine neue Normalität stellte sich ein. Segmententwicklungen wurden analysiert und Risiken neu adjustiert. Klare Hinweise für den Reifeprozess, den der KMU-Markt in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Alte Bekannte und spannende Neulinge nutzten das Sentiment für erfolgreiche Emissionen und während die Infektionszahlen munter schwankten, präsentierten sich die Kurse erfreulich stabil.

Erstes Halbjahr hui

Insbesondere das erste Halbjahr übertraf die Erwartungen. Mehr Emissionen, deutliche Zuwächse bei Platzierungsvolumen und Platzierungsquote, verbesserte Transparenz und keine Ausfälle. Natürlich spielten im Vorjahresvergleich gewisse Aufholeffekte eine Rolle, aber unter dem Strich bestätigte sich, dass Anleihen aus dem Finanzierungsbaukasten des Mittelstandes nicht mehr wegzudenken sind und gerade in unsicheren Zeiten eine wichtige Ergänzung zur Bankenfinanzierung darstellen. Ungeachtet von Kontaktbeschränkungen, Lieferengpässen und steigenden Materialpreisen gingen die durchschnittlichen Kupons anders als zu Jahresbeginn prognostiziert sogar leicht zurück.

Grafik: IR.on (KMU-Anleihemarkt im ersten Halbjahr 2021)

Auch auf der Investorenseite ist das Feld breiter geworden. Neue SME-Fonds verbreitern den Kern der langjährigen, hochprofessionellen Community. Und im privaten Spektrum wächst eine neue Anlegergeneration mit einer stärkerer Risikoneigung und hoher Technologieaffinität heran. Schade ist nur, dass sich die Hoffnung auf eine zusätzliche Belebung durch WSF-Bonds – Unternehmensanleihen mit Staatsgarantie – nicht erfüllt hat. Dass der Bund selbst bei entsprechenden Anträgen trotz höherer Kosten für die Kreditnehmer und höherer Risiken für den Steuerzahlen lieber Nachrangdarlehen vergibt, verrät viel über die Stellung des Kapitalmarkts in Deutschland. Ob sich dies unter der kommenden Regierung ändert bleibt abzuwarten, zumindest gibt es Bestrebungen für mehr private Investitionen und eine kapitalmarktbasierte Altersvorsorge.

In der zweiten Jahreshälfte trübte sich dann das gesamte Wirtschaftsumfeld immer mehr ein. Die Lieferengpässe weiteten sich aus, Produktion und Investitionstätigkeit gingen deutlich zurück und die steigenden Material- und Rohstoffpreise resultierten zuletzt in der höchsten Teuerungsrate seit 30 Jahren. Das ifo Institut spricht von einer „Flaschenhals-Rezession“ und schätzt die bislang durch Lieferengpässe ausgelösten Wertschöpfungsverluste in der deutschen Industrie auf knapp 40 Milliarden Euro. Wenig verwunderlich wurde die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2021 von 3,7 Prozent im Frühjahr auf 2,4 Prozent im Herbst reduziert.

Zweites Halbjahr durchwachsen

Das Szenario einer drohenden Stagflation ging auch am KMU-Markt nicht spurlos vorbei. Die Transaktionstätigkeit war im zweiten Halbjahr sichtbar rückläufig. Gerade einmal sechs Emissionen gab es bis Ende November – rund ein Drittel dessen, was in den ersten sechs Monaten gezählt wurde. Dennoch haben Emittenten wie Photon Energy oder Neue ZWL gezeigt, dass erfolgreiche Transaktionen weiterhin möglich sind. Selbst die parallel bekannt gewordene Eyemaxx-Insolvenz konnte daran nichts ändern. Gleichwohl hat die Pleite den Markt spürbar getroffen. Zumal die VST Building zwischenzeitlich folgte.

Dass beide Gesellschaften ein Sanierungsverfahren nach österreichischem Recht beantragt haben, trägt nicht zur Glättung der Wogen bei. Ein Jahresendspurt, ähnlich wie wir ihn 2020 erlebt haben, ist unter diesen Umständen schwer vorstellbar. 2022, wenn die Infektionszahlen hoffentlich wieder sinken und die Märkte sich beruhigt haben, dürfte das Emissionsfenster aber wieder aufgehen. Wir erwarten dabei eine Fortsetzung der wesentlichen Trends des laufenden Jahres:

  • Folgeemissionen bekannter Emittenten mit transparenter Mittelverwendung werden gut aufgenommen.
  • Klimaschutz und Energiewende sind auf mittelständische Technologien und private Investitionen angewiesen; die Nachfrage nach Green Bonds bleibt deshalb hoch, allerdings werden die ESG-Kriterien stärker auf den Prüfstand gestellt als in der Vergangenheit.
  • Immobilienanleihen haben einen schweren Stand und werden je nach Subsektor nur sehr selektiv nachgefragt.
  • Wandelanleihen erfreuen sich aufgrund ihrer flexiblen Gestaltung und ihres hybriden Charakters im aktuellen Umfeld hoher Beliebtheit.
  • Das Sicherheitsbedürfnis der Investoren ist in der Pandemie gewachsen; Bilanz, Cashflow und Handelsliquidität müssen den gestiegenen Anforderungen genügen.

Spannend ist die Frage, wie sich die Kupons entwickeln werden. Hohe konjunkturelle Unsicherheit, bleibende Inflation und der jüngste Kursverfall sprechen grundsätzlich für einen Anstieg des Zinsniveaus. Dagegen spricht, dass die Notenbanken sich in eine Lage manövriert haben, die eine Leitzinserhöhung selbst bei anhaltend hoher Teuerung quasi ausschließt. Zudem müssen die Unternehmen die Zinsen auch erwirtschaften können. Bei steigenden Kuponerwartungen werden sich gerade etablierte Emittenten jedoch anderen Finanzierungsarten zuwenden. So hat die FCR Immobilien AG gerade ein erstes Schuldscheindarlehen platziert. Verzinst wird das Ganze mit 3,4 Prozent.

Refinanzierungsbedarf rechtzeitig strukturieren

Wahrscheinlich ist, dass in Zukunft noch stärker als schon heute die Qualität des Emittenten ausschlaggebend für den Kupon ist. Die Bandbreite nimmt dabei tendenziell zu, darauf deuten zumindest die jüngsten Vergütungen für die Bonds von IuteCredit und Eleving hin. Eine Möglichkeit, das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Investoren auch ohne ausgeklügeltes Sicherheitenkonzept mit den Bilanzrestriktionen der Emittenten in Einklang zu bringen, sind Wandelanleihen. Schon dieses Jahr hat die Zahl der hybriden Finanzierungen deutlich zugenommen.

Weniger Plain-Vanilla-Bonds bedeuten auch weniger Eigenemissionen. Strukturierungs- und Platzierungs-Know-how ist im aktuellen Marktumfeld unverzichtbar. Gerade mit Blick auf die Refinanzierung der in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres auslaufenden Debütanleihen ist es wichtig, frühzeitig intelligente Konzepte zu entwickeln. Damit der Black Friday 2022 wieder dem Warenhandel vorbehalten bleibt.

Veröffentlicht im AnleihenFinder (Newsletter 22/2021)

Past & Present

Vergangenes und Gegenwärtiges. Geschafftes und Anstehendes. Beendet und am Laufen. Gefunden und Gesucht. Oder: Welche Eigen- und Fremdkapitaltransaktionen mittelständischer Unternehmen wir in den letzten Monaten begleitet haben und worum wir uns gerade kümmern. Bitte beachten Sie, dass wir bei dieser Darstellung aus rechtlichen Gründen nicht auf sämtliche Transaktionen eingehen können.

Past

  • FinTech-Plattformanbieter (Fremdfinanzierung, public)
  • Digitalisierungsunternehmen mit Fokus auf Virtual-Reality-Anwendungen (Direktbeteiligung, public)
  • Lebensmittelanbieter im Lifestyle Bereich (Fremdfinanzierung, public)
  • Weltweit agierender Dienstleister für die Beschaffung, Produktion, den Abbau und die Vermarktung von Metallen und Mineralien (Fremdfinanzierung, public)
  • Immobilieninvestor mit dem Schwerpunkt Investitionen in Value Add Objekte (Fremdfinanzierung, public)

Present

  • Digitale Hausmeisterplattform für Immobilienbestandshalter mit Fokus auf CO2-Einsparung (Fremdfinanzierung, public)
  • Digitalisierungsunternehmen für Arbeitsabläufe in der Mikroskopie (Direktbeteiligung/later stage, non-public)
  • Führender Anbieter von Identifikationssystemen für Zugangssteuerung und Bezahlungsfunktionen in Organisationen (Direktbeteiligung, public)
  • Video Conferencing mit bandbreitenstarker Echtzeit-Kommunikationstechnik (Direktbeteiligung/later stage, non-public)
  • Digitales Betreibersystem für Apartmentvermietung im Bereich Travel & Leisure (Direktbeteiligung/later stage, non-public)
  • Kostenführer für thermische Energie (Direktbeteiligung/later stage, non-public)
  • Diverse weitere Direktbeteiligungsmöglichkeiten (early stage/later stage) in verschiedenen Branchen (Industrie, Technologie, Software/IT)

Eine gegliederte Übersicht zu den wichtigsten begleiteten Mandaten finden Sie hier:

BankM Referenzen

Relative Stärke – RSL Monthly

Was versteht man unter Relativer Stärke nach Levy (RSL)?

as Verfahren der „Relativen Stärke“ nach Robert A. Levy (RSL) ist ein quantitatives Auswahlkonzept für Investmententscheidungen. Den theoretischen Hintergrund für den Einbezug der relativen Stärke als Entscheidungsparameter einer Investmentstrategie bildet die Annahme, dass die Kursentwicklung von Aktien im Zeitverlauf Trends aufweist, und sich einzelne Werte entsprechend relativ stark oder relativ schwach entwickeln. Im Gegensatz zur klassischen Chartanalyse hilft das Konzept von Levy bei der Suche nach den jeweils erfolgsversprechendsten Instrumenten zu einem gegebenen Zeitpunkt und nicht bei der Ermittlung des besten Einstiegszeitpunkts in einem bestimmten Wert.

Was ist das Ziel einer Analyse unter Zuhilfenahme der RSL?

Jede auf der relativen Stärke aufsetzende Analyse verfolgt das Ziel, Informationen über die Dauerhaftigkeit einer Kursentwicklung zu generieren und somit Trends bzw. Veränderungen zu identifizieren, um daraus Anlageentscheidungen abzuleiten. Der Vergleich der unterschiedlichen RSL-Werte des Anlageuniversums gibt Hinweise auf die relative Stärke oder Schwäche einzelner Instrumente, wobei implizit von der Trendkontinuität ausgegangen wird.

Wie berechnet man die relative Stärke nach Levy?

Das Konzept von Levy veranschlagt, sofern bei den Instrumenten eine entsprechende Historie vorliegt, einen Beobachtungszeitraum von 27 Wochen (ca. sechs Monate) als sogenannte Trend-Formationsperiode. Die Berechnung des RSL erfolgt entsprechend nach folgender Formel:

Der RSL-Wert ist somit definiert als Quotient aus dem letzten Wochenschlusskurs des Instruments und dem (gewichteten) gleitenden Durchschnitt der vergangenen 27 Wochenschlusskurse. Der Wert 1,05 bedeutet beispielsweise, dass der Kurs einer Aktie im Beobachtungszeitraum vom gewichteten gleitenden Durchschnittswert der letzten 27 Wochen in Höhe von EUR 100,00 auf zuletzt EUR 105,00 gestiegen ist. Andersherum bedeutet ein RSL-Wert von 0,95 eine Kursentenwicklung von EUR 100,00 auf gewichtet EUR 95,00.

RSL-Werte >1, bei denen der Wochenschlusskurs über dem (gewichteten) gleitenden Durchschnitt liegt, dokumentieren somit eine „innere“ relative Stärke. Umgekehrtes gilt für Werte <1.

Welche Instrumente betrachten wir?

Grundlage unserer Betrachtung sind europäische Branchenindizes. So können Sie rechtzeitig Sektoren identifizieren, die zum jeweiligen Zeitpunkt eher gefragt bzw. eher weniger gefragt sind (relativ stark/relativ schwach) und etwaige Veränderungen in den Branchentrends erkennen. Darüber hinaus betrachten wir deutsche Aktien, um ein Screening auf Einzeltitelebene zu erhalten. Als Universum ziehen wir den Prime All-Share Index heran. Somit betrachten wir regelmäßig über 300 Werte, die an der Frankfurter Wertpapierbörse im Regulierten Markt notieren.

Wie erfolgt unsere Auswertung?

In der Betrachtung stellen wir die Einzelergebnisse der RSL-Werte des Anlageuniversums gegenüber und bringen Sie in eine Rangfolge. Das Instrument mit dem höchsten RSL-Wert erhält dabei die Rangziffer 1, das mit dem niedrigsten Wert die letzte Rangziffer im betrachteten Universum. Ein Rang mit dem Wert 0 resultiert aus einer nicht ausreichenden Historie im Basiswert und fließt nicht in die Betrachtung mit ein.

Wie können Sie diese Informationen nutzen?

Basis für die Umsetzung einer eigenen Anlagestrategie ist die Rangliste. Diese gibt unter anderem darüber Aufschluss:

  • welche Aktien/Indizes in der betrachteten Periode die größten Veränderungen in der Rangliste verzeichnen,

und

  • welche Aktien/Indizes die beste bzw. schlechteste Performance innerhalb eines Beobachtungszeitraumes aufweisen

Besonders zu beachten sind Veränderungen in der Rangfolge der einzelnen Werte. Diese deuten auf sich herausbildende Korrekturen oder andauernde Trends hin und gehen meist mit signifikanten Veränderungen der betroffenen RSL-Werte einher.

Nach Levy werden die ersten 5-7 Prozent der Instrumente einer Rangliste gleichgewichtet in ein Portfolio aufgenommen. In der Folgezeit wird die Entwicklung der Platzierung wöchentlich überprüft. Sobald ein Wert aus dem Universum eine bestimmte Platzierung innerhalb der Rangliste unterschreitet („cast-out-rank“) soll dieser sofort verkauft werden. Der cast-out-rank ermittelt sich für Levy aus dem schwächsten Drittel der Werte einer Rangliste. So versucht die Anlagestrategie zu allen betrachteten Zeitpunkten die effizienteste Auswahl der einzelnen Werte sicherzustellen.

Relative Stärke RSL Aktuell

Kalenderwoche 48, 2021 (Schlusskurse vom 03. Dezember 2021)

Relative Stärke Sektorenauswertung (STOXX Euro 600 Supersektors)

Nach einer vierwöchigen Abschwächung zeigt die Relative-Stärke-Auswertung der STOXX Euro 600 Supersektoren die Rückkehr des starken Sektors Oil&Gas, der zum Ende der KW 48 2021 erneut Rang 1 belegt. Auf den weiteren Plätzen folgen die zuletzt ebenfalls gefragten Sektoren Media und Personal & Household Goods, wobei der letztgenannte Sektor in den letzten Wochen den größten Schwung erhielt. Der Sektor Utilities verbesserte sich nach längerer Durststrecke wieder deutlich und nimmt aktuell Rang 8 ein.

Unter den derzeit schwächsten Sektoren befinden sich mit Basic Resources, Telecommunications, Retail und Travel & Leisure mehrere Sektoren, die seit Wochen im Cast-out-Bereich anzutreffen sind.

Fazit:

Die Sektoren Automobiles & Parts, Industrial Goods & Services, Basic Resources, Telecommunications, Retail und Travel & Leisure befinden sich am unteren Ende der Rangfolge und verfügen aktuell nicht über ein positives Momentum im Sinne der RSL-Analytik. Unter Anwendung der levy`schen 30%-Regel sollten diese Sektoren derzeit generell gemieden werden und Titel aus diesem Universum stellen im Allgemeinen aktuell keinen Investment Case dar. Insgesamt weisen von den neunzehn Sektorindizes elf einen RSL-Wert von über 1,00 aus, was zunächst für einen recht optimistisch beurteilten Gesamtmarkt sprechen mag. Jedoch befinden sich die meisten dieser Sektoren nur sehr knapp über dieser Marke. Somit bleibt abzuwarten, ob dies dauerhaft so bleiben kann. Die kommenden Wochen bis zu unserer nächsten Analyse werden es zeigen.

Die vollständige Liste entnehmen Sie bitte dem folgenden Grafiklink:
RSL Stoxx Euro 600 Indices

Relative Stärke Prime All-Share Index (Einzelwerte)

Bei der Betrachtung der Einzelwerte der im Prime-All-Share an der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Unternehmen legen wir den Fokus auf das Erkennen von – positiven wie negativen – Veränderungen der generierten RSL-Werte. Diese Vorgehensweise ermöglicht es uns, das gesamte Universum der im Prime Standard notierten Werte nach aktuellen Top- und Flop-Performern zu filtern und Investoren so eine Methode an die Hand zu geben, diese Unternehmen anschließend selbst genauer betrachten und die Qualität der Rangänderung einschätzen zu können. Unsere Betrachtung kann dabei nicht abschließend und vollständig sein, sondern soll beispielhaft die Vorgehensweise erläutern.

Die Auswertung der relativen Stärke der derzeit 309 Einzelwerte* des Prime All-Share Index (Grundgesamtheit) wird im Folgenden für die KW 48 2021 dargestellt.

Veränderung des RSL-Werts

Die aktuelle Auswertung basiert auf den Schlusskursen zum Ende der KW 48 2021 (03.12.2021). Zum Betrachtungszeitpunkt verfügten nur rund 35% der Aktien über eine relative Stärke mit einem RSL-Wert von mindestens 1,00, ein eher niedriger Wert. Der Rest der Emittenten, also über zwei Drittel des Marktes, wies demnach im letzten halben Jahr eine schwache Kursentwicklung auf. In stärkeren Marktphasen wie z.B. zu Jahresbeginn, übertreffen bis zu 80% der Werte die RSL-Marke von 1,00.

Beim Vergleich der aktuellen RSL-Werte mit den Rangpositionen aus den Vorwochen stechen einige Werte mit einer sehr hohen positiven Veränderung des RSL-Werts durch das Verlassen eines über einen längeren Zeitraum gehaltenen Cast-out-Rangplatzes (in der unten stehenden Liste rot markiert) hervor.

Einen Auszug der ersten 50 Werte der entsprechenden Rangliste entnehmen Sie bitte dem folgenden Grafiklink:
RSL Prime All-Share Veränderungen Top (Auszug)

Im Gegensatz dazu fallen einige Aktien, die in den Vorwochen noch eine ein- oder zweistellige Rangzahl eingenommen hatten, bis zur KW 48 2021 durch massive Einbußen beim RSL-Wert und ein Abrutschen in den Cast-out-Bereich auf. Diese Titel sollten vor einem Neueinstieg zunächst beobachtet werden.

Auf Wochensicht von KW 47 auf KW 48 gewann eine Handvoll Aktien deutlich an relativer Stärke (mind. 70 Rangplätze). Diese starken Anstiege auf Wochenbasis sind zunächst als von kurzfristiger Natur anzusehen und bilden unseres Erachtens noch keine hinreichende Grundlage für einen dauerhaft positiven Trend. Es bleibt zu beobachten, ob sich in den folgenden Wochen ein solcher etablieren kann. Demgegenüber verzeichneten andere Aktien starke Einbußen beim RSL-Wert mit einer Verschlechterung um jeweils über 70 Ränge seit der KW 47.

Einen Auszug der ersten 50 Werte der entsprechenden Rangliste entnehmen Sie bitte dem folgenden Grafiklink:
RSL Prime All-Share Veränderungen Flop (Auszug)

Rangfolgebetrachtung

Die Zusammensetzung der sechzehn Werte, die die oberen 5% des Prime All-Share Index gemäß der RSL-Wertung ausmachen, enthielt zum Ende der KW 48 2021 wieder einige Titel, die in den Vorwochen dort nicht auszumachen waren. Darüber hinaus finden sich Aktien unter den ersten 50 Werten der Rangfolge, die sich in den letzten Wochen stark verbessert haben, ohne jedoch aktuell in die Top-5%-Ränge vorgedrungen zu sein. Eventuell rekrutiert sich aus diesen Werten ein zukünftiger Top-5%-Titel, sofern das Momentum beibehalten werden kann.

Die folgende grafische Übersicht enthält die ersten 50 Werte der Rangfolge:
RSL Prime All-Share Rangliste Top 5% (graue Markierung)

Die cast-out-Rangfolge, also die Titel, die laut Levy gemieden werden sollten, umfasst die letzten 30% der Grundgesamtheit. Es handelt sich beim betrachteten Universum demnach um rund 100 Unternehmen des Prime Standard (rote Markierung). Im tiefroten Cast-out-Bereich am Ende des betrachteten Universums und mit oftmals wenig Aussicht auf kurzfristige Besserung befinden sich aktuell u.a. Unternehmen mit länger anhaltenden operativen Schwierigkeiten. Darunter sind derzeit auch wieder einige sog. “Blue Chips” aus dem DAX oder MDAX, die aktuell eine größere Schwächephase durchlaufen, enthalten.

Einen Auszug von 50 Werten mit den niedrigsten RSL-Werten der Rangliste entnehmen Sie bitte dem folgenden Grafiklink:
RSL Prime All-Share Rangliste Flop 30% (Auszug, rote Markierung)

*die Aktien der ALTERKO AD, der Bike24 Holding AG, der Cherry AG, der Mister Spex SE, der Novem Group SA, der Vitesco Technologies GroupAG und der ABOUT YOU Holding SE wurden noch nicht in die Wertung aufgenommen, da diese noch nicht die zur Berechnung der RSL-Werte erforderliche Kurshistorie von mindestens sechs Monaten erfüllen.

Weng Fine Art AG: Auf dem Weg vom Kunsthandelsunternehmen zum (Art)FinTech

Mit +210% ist die Weng Fine Art AG im Jahr 2021 einer der Top-Performer unter den Small-Caps. Grund genug für einen genaueren Blick auf das einzige börsennotierte Kunsthandelsunternehmen in Europa. Gegenüber BankM spricht Gründer und Vorstand Rüdiger K. Weng über aktuelle Erfolge, überzeichnete Token-Drops und die Rolle von Weng Fine Art im Kunstmarkt der Zukunft.

BankM: Der Dezember ist in vielen Branchen eine ereignisreiche Zeit. Auch im Kunstgeschäft?

Weng: Definitiv. Zwar sind unsere Werke mit Preisen zwischen 5.000 und 100.000 Euro nicht für jeden als Weihnachtsgeschenk geeignet, aber trotzdem wollen viele Kunstkäufer jetzt noch etwas erwerben und sei es nur, um Liquidität zu parken. Q4 wird 2021 jedenfalls wieder mit großem Abstand unser umsatz- und ertragreichstes Quartal werden. Und kaum ein Handelsunternehmen schafft es wie wir, gleichzeitig Umsätze und operative Margen zu verbessern.

BankM: Damit knüpfen Sie nahtlos an die gute Entwicklung aus 2020 an, das Sie selbst als Jahr des Durchbruchs für Weng Fine Art bezeichnet haben. Sind Sie ein Corona-Gewinner?

Weng: Wir haben in der Vergangenheit sicherlich vieles richtig gemacht, was uns in der Pandemie zugute gekommen ist. Das gilt besonders für unser Geschäftsmodell sowie unsere Lagerhaltung. Der Kunstmarkt ist seit Jahren ein Verkäufermarkt. Es gewinnt derjenige, der Ware hat. Während Kommissionäre infolge der Kontaktbeschränkungen lange auf dem Trockenen saßen, konnten wir die Kundenwünsche durchgängig bedienen und dabei auch Wertgewinne realisieren – ein großer Teil der Erhöhung unserer Handelsmarge kommt aus dem Wertzuwachs des Altbestands. Auch der frühzeitige Aufbau des Online-Geschäfts sowie unsere schlanken Strukturen und die finanzielle Stärke haben sicherlich nicht geschadet. Sie müssen aber wissen, dass wir über 50% unserer Umsätze mit US-Käufern machen und dort ist Corona derzeit quasi kein Thema mehr. Man kann also schon sehen, dass unser Erfolg nachhaltig ist und über die Pandemiesituation hinausgehen wird. Dies, zumal der Kunstmarkt extrem fragmentiert ist. Eine weitere Umsatzverdopplung scheitert also nicht am Wettbewerb.

BankM: Sondern?

Weng: Die wesentlichen begrenzende Faktoren sind die Vertriebsseite sowie der „Faktor Mensch“. Zwar sind unsere Strukturen dehnbarer als gedacht, aber mittlerweile operieren wir absolut am Anschlag. Zusätzlich zum Stammgeschäft haben wir 2021 ja einen komplett neuen Geschäftsbereich gestartet.

Kunstmarkt der Zukunft

BankM: Sie meinen den Bereich „Art/Fin/Tech“. Die Tokenisierung und Fraktionalisierung von Kunstwerken auf Basis der Blockchain-Technologie soll zusammen mit der Etablierung einer elektronischen Handelsplattform den Kunstmarkt revolutionieren.

Weng: Der Kunstmarkt steht am Beginn einer revolutionären Metamorphose: Von einem extrem heterogenen, illiquiden, intransparenten und exklusiven Nischenmarkt zu einer breit zugänglichen, homogenen und digitalen Asset-Klasse. Möglich wird dies, indem analoge Kunstwerke digital verbrieft und auf Plattformen handelbar gemacht werden. Durch sogenannte NFTs (Non-Fungible Token) sowie FTs öffnet sich der Markt für komplett neue Teilnehmer und Käufergruppen. An dieser Entwicklung wollen wir teilhaben und diese aktiv mitgestalten. Deshalb war es so wichtig schnell zu handeln, auch wenn dies Kapazitäten gebunden hat, die vielleicht woanders gefehlt haben.

BankM: Mit schnell handeln meinen Sie die Beteiligung an der 360X und der 360X Art AG, einem Joint Venture mit Deutsche Börse und Commerzbank. Welche Rolle spielen Sie hier und wie weit ist die Plattform?

Weng: Noch ist die Plattform nicht online. Mit renommierten Partnern wie der Deutsche Börse und der Commerzbank können Sie anders als bei kleineren Start-ups nicht einfach drauflos marschieren, sondern müssen potentielle Hindernisse gleich am Anfang aus dem Weg räumen. Dies betrifft insbesondere regulatorische und steuerrechtliche Themen. Wir haben im aktuellen Stadium vor allem eine beratende Rolle und bringen unsere Kunstmarkt- und Finanzmarktexpertise ein. Später können wir auf der Plattform unsere Kunstwerke zur Verfügung stellen, aber auch als Market-Maker agieren. Spätestens ab 2023 rechnen wir sukzessive mit relevanten Umsätzen und Erträgen.

BankM: Wie schwer fällt Ihnen die Zusammenarbeit mit solch zwei schwerfälligen Großkonzernen?

Weng: Unser Hauptansprechpartner ist Carlo Kölzer, ein Vollblutunternehmer, der bereits den Devisenmarktplatz 360Treasury (360T) entwickelt hat. Deutsche Börse und Commerzbank halten sich eher zurück, für sie geht es weniger um den Kunstmarkt im speziellen als z.B. um allgemeine Lerneffekte dazu, wie man aus analogen Assets digitale Assets machen und diese auch handeln kann.

JEFF KOONS Balloon Animals (Collector ?s Set in matching edition numbers of 40 editions), 2017-2019
© Jeff Koons, Courtesy of Weng Contemporary (ArtXX AG)

BankM: Auch Sie konnten bereits wichtige Erfahrungswerte sammeln. In Kooperation mit dem Berliner Start-up Timeless Investments haben Sie dieses Jahr schon zwei sogenannte Drops durchgeführt. Was haben Sie dabei gelernt?

Weng: Dass das Interesse an fraktionalisierter Kunst deutlich höher ist, als ich mir das vorstellen konnte. Vor dem ersten Drop haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Token innerhalb von zwei oder drei Tagen platzieren können. Tatsächlich waren in wenig mehr als fünf Minuten sämtliche Anteile am “Balloon Animals, Set I” von Jeff Koons verkauft. Beim zweiten Drop, einem Print von Banksy, konnte „Timeless“ innerhalb von 30 Minuten nur in Deutschland Zeichnungen über rund eine Million Euro verbuchen. Die Plattform des Payment-Anbieters ist zwischendurch kollabiert und sieben Personen waren nur damit beschäftig, Beschwerde-Emails leer ausgegangener Käufer zu beantworten.

Finanzinvestoren verdrängen Sammler

BankM: Was sind das für Käufer und werden diese noch da sein wenn der Reiz des Neuen verblasst ist?

Weng: Das ist eine neue Anlegergeneration wie wir sie auch bei Sneaker-Auktionen oder bei Kryptowährungen sehen. Neben dem emotionalen Aspekt von Kunst, spielt hier auch Gamifying eine Rolle. Das bedeutet aber nicht, dass die Entwicklung nicht nachhaltig ist. Mit zunehmender Marktreife werden immer mehr professionelle Anleger hinzukommen. Natürlich vorwiegend mit einem spekulativen Ansatz, aber ich kann mir gut vorstellen, dass auch Pensionskassen kleine Teile ihrer Portfolios in Kunst-NFTs anlegen. Denn im Unterschied zu Investitionen in Kryptowährung gibt es hier ein reales Underlying und Kunstobjekte gewinnen seit Jahrzehnten beständig an Wert. Außerdem können professionelle Anleger mit entsprechenden Analyseabteilungen einen Wissensvorsprung nutzen, den es auf vielen etablierten Märkten so nicht mehr gibt.

BankM: Wie wird sich der Kunstmarkt durch die Entwicklung weg vom Kunstsammler hin zum Finanzinvestor verändern?

Weng: Das Wachstumspotential ist riesig. Aktuell beträgt das Volumen des gesamten Kunstmarkts nicht mehr als ein Zwanzigstel der Marktkapitalisierung von Apple. Diese klassischen Kunstsammler werden nicht verschwinden, im Vergleich zu den Finanzanlegern jedoch nur noch einen Bruchteil ausmachen. Aber nicht nur das Volumen, sondern auch die Preise werden zunehmen. Zum einen aufgrund mangelnder Verfügbarkeit – sehr viel Geld trifft auf wesentlich weniger Ware. Zum anderen wird der Effekt hinzukommen, dass ein Kunst-Token per se teurer als das Werk selbst ist. Dies liegt an der höheren Liquidität. Eine börsennotierte AG erhält auch eine höhere Bewertung als eine GmbH.

BankM: Was sagen denn die Künstler zu der Aussicht, dass ihre Werke künftig ein Dasein als Wertaufbewahrungsmittel in einer zentralen Verwahrstelle fristen?

Weng: Das ist ganz unterschiedlich. Gerade die Künstler, die am Markt eine wichtige Rolle spielen, denken aber oft sehr unternehmerisch. Das ist ein Bestandteil ihres Erfolgs. Anderen wie Jeff Koons geht es weniger um Wertsteigerung als um Verbreitung. Wenn ich ihm erzähle, dass Menschen aus 40 oder 50 Ländern ein Werk von ihm erworben haben, freut ihn das mehr als ein besonders hoher Preis. Aber es gibt natürlich auch Künstler, die den Handel ihrer Kunstwerke auf Plattformen als „verwerflich“ empfinden.

BankM: Die Möglichkeit für neue Geschäftsmodelle in einem disruptiven Markt zieht gewöhnlich namhafte Wettbewerber an. Haben Sie Angst, dass Ihnen Amazon oder Ebay den Markt streitig machen?

Weng: Beide haben das ja bereits versucht, mussten aber feststellen, dass der Kunstmarkt wesentlich schwieriger zu analysieren und zu bearbeiten ist als andere Märkte. Mit NFTs und FTs wird dies zwar einfacher, doch unsere Expertise von Kunst- und Finanzmarkt ist ziemlich einzigartig. Aber natürlich rechnen wir mit einigen Unternehmen, die insbesondere in den USA diesen Markt angehen wollen. Dies wird uns aber nicht am Wachstum hindern, dafür ist der Markt, der da entsteht viel zu groß. Zudem kann kaum jemand wie wir alle Bereiche des Kunstmarkts bedienen. Auch die Zusammenarbeit mit einem großen Player aus dem Luxus- oder Tech-Segment ist für uns deshalb vorstellbar.

Expansion geht nur über die USA

BankM: Kein Wunder, dass ihr Blick vermehr über den Atlantik geht. Für den verbliebenen Treasury Stock suchen Sie US-Aktionäre und der ursprünglich für 2021 geplante Börsengang der Online-Tochter ArtXX AG wurde verschoben und soll jetzt frühestens 2023 und dann vielleicht gleich in den USA stattfinden.

Weng: Wir sind aus dem deutschen Kunstmarkt inzwischen rausgewachsen, das ist ein Fakt. Nicht nur unsere Umsätze erzielen wir mehrheitlich mit US-Käufern, auch unsere Künstler sind dorthin ausgerichtet. Eine Expansion kann deshalb nur über die USA laufen. Die Prioritäten haben sich dabei durch unser Wachstum aber etwas verändert. Statt vorrangig den Rest unseres Treasury Stocks zu vertreiben, sind wir jetzt eher auf der Suche nach sinnvollen Allianzen und strategischen Investoren. Ein Ankerinvestor muss in punkto Strategie, Image oder Know-how erheblichen Mehrwert bringen. Dann bin ich auch bereit zusätzlich eigene Aktien abzugeben, denn ein kleines Stück vom großen Kuchen ist mir am Ende lieber als ein großes Stück von einem kleinen Kuchen.

Rüdiger K. Weng ist Gründer und Vorstand der Weng Fine Art AG (Foto: Weng Fine Art AG)

BankM: Beim Blick in die USA kommt man um das Thema Artnet nicht herum. Seit Sie sich mit inzwischen über 25% an dem Datenspezialisten beteiligt haben, performt zwar der Börsenkurs, doch operativ läuft es immer noch nicht richtig.

Weng: Das stimmt, aber bedingt durch die Dynamik im Bereich Art/Fin/Tech hat Artnet für uns heute auch nicht mehr dieselbe Bedeutung wie noch vor zwei Jahren. Was nicht heißt, dass wir untätig sind. Die Mehrheit der Aktionäre steht hinter uns, so dass wir im kommenden Jahr die Möglichkeit haben den Aufsichtsrat zu übernehmen und damit auch das Management zu bestimmen. Auch die Beteiligung an einer Übernahme durch Dritte ist denkbar. Wir würden dabei auf jeden Fall der Königsmacher sein.

BankM: Um überhaupt alle Bälle in der Luft halten zu können, haben Sie das Führungsteam verbreitert. Melanie Moske unterstützt Sie seit August als Chief Digital Officer (CDO) und im Februar beginnt ein erfahrener CFO. Was fehlt noch, um das Wachstum hochzuhalten?

Weng: Um die Engpässe auf der Vertriebsseite zu verringern, müssen wir die Mitarbeiterzahl verdoppeln: Administration, Logistik, Vertrieb. Außerdem werden wir verstärkt in Marketing und PR investieren. Geht es im klassischen Kunstgeschäft vor allem um das Sourcing, spielen in der digitalen Welt Awareness, aber auch Logistik und Service die Hauptrollen.

Erst Übergangsjahr, dann Überholspur

BankM: Verstärkte Investitionen während Umsätze und Erträge aus dem neuen Geschäftsbereich noch auf sich warten lassen. Klingt nach einem Übergangsjahr…

Weng: Ich würde lieber von einem Umstellungsjahr sprechen. Die Profitabilität werden wir dabei aber nicht aus dem Fokus verlieren. Sehr gute Finanz- und Bilanzzahlen sind uns und unseren Banken wichtig, auch wenn wir uns dafür gerade in den USA manchmal rechtfertigen müssen.

BankM: Dennoch dürfte das Engagement im digitalen Kunstgeschäft mittelfristig zu bedeutenden Veränderungen in der Struktur der WFA-Gruppe führen. Ist Weng Fine Art künftig mehr Beteiligungsgesellschaft als Kunsthandelsgesellschaft?

Weng: Ich bin kein Freund von Gemischtwarenläden und Beteiligungsgesellschaften finde ich langweilig. Unser Know-how kommt aus dem Kunsthandel, das ist unser USP. Alle Beteiligungen, die wir eingehen, müssen uns operativ voranbringen. Perspektivisch dürfte der Weg dabei verstärkt in Richtung Finanzmärkte und Technologie führen. Dann kann auch eine Trennung von Kunsthandel und Finanzmarktaktivitäten sinnvoll sein, ähnlich wie wir das Online-Geschäft schon länger in der ArtXX AG gebündelt haben. Natürlich unter dem Dach der Weng Fine Art, aber Investoren sollen die Möglichkeit haben direkt in alle Geschäftsbereiche investieren zu können.

BankM: Was sagen Sie zu einem langfristig orientierten Investor, der wissen möchte, wie die Gesellschaft in fünf Jahren aussehen wird?

Weng: Vor zwei Jahren wusste ich noch nicht was ein NFT ist und heute sehen wir in der Tokenisierung und Fraktionalisierung die Zukunft des Kunstmarkts. Fünf Jahre voraus denkt bei uns deshalb momentan niemand. Allein wenn ich jetzt eine Aussage für 2023 treffen würde, müsste ich diese bis dahin mindestens fünf Mal revidieren. Meine Vision ist es, ein international relevantes Unternehmen aufzubauen, das die Grenzen des Kunsthandels überschreitet. Wenn ich eine Chance sehe, Richtung SDAX oder TecDAX zu kommen, werde ich versuchen diese wahrzunehmen. Wir sind mittlerweile in einer Größenordnung angelangt, wo sich ständig neue Möglichkeiten ergeben und es sehr schnell gehen kann wenn der richtige Deal kommt.

 

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