Neues aus dem Datenraum

Von Daniel Großjohann und Dominik Glier

Mitte Juni besuchte BankM im Rahmen der Reihe "BankM Zoom – Unternehmen 360°" mit über zwanzig institutionellen Investoren das Frankfurter Rechenzentrum der All for One Steeb AG, der Nr. 1 im deutschsprachigen SAP-Markt. Kompakt und komprimiert erhielten die Teilnehmer an einem Nachmittag einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen eines High-End Data Centers und konnten sich intensiv mit dem Management über die die Unternehmenswelten bewegenden Themen Cloud, Big Data und Industrie 4.0 austauschen.

Megathemen wie „Industrie 4.0“ oder „Big Data“ beflügeln schon länger die Phantasie von Investoren und Unternehmen. Doch hinter diesen Schlagwörtern stehen in erster Linie technologische Entwicklungen bei IT &Software – das wurde allen Teilnehmern im Rechenzentrum der All for One Steeb AG schnell klar. Trends wie die Digitalisierung von Geschäftsabläufen (etwa Industrie 4.0), datenbasierte Geschäftsmodelle (Echtzeitunternehmen) oder überbetriebliche Geschäftsprozesse (Lieferketten, Einkaufsplattformen) stehen und fallen mit den Entwicklungsleistungen der Softwareschmieden. Die Innovationsführerschaft auf diesem Gebiet beansprucht die SAP SE. Der Softwareriese hat sich bei seinem Wachstums-Ansatz auf (beobachtbare) Megatrends, wie Cloud, Mobile und Business Intelligence konzentriert. Mit disruptiven Technologien will SAP nicht nur die digitale Transformation vorantreiben, sondern auch den Markt für Unternehmenssoftware neu ordnen. Ausgangspunkt ist der angestammte (SAP-) ERP-Kernmarkt (SAP R/3), wobei das ERP-System thematisch als logischer Startpunkt betrachtet werden kann. Denn sowohl beim mobilen Zugriff auf Unternehmensdaten, als auch bei der Auswertung großer Datenmengen stehen die umfassenden Daten des ERP-Systems im Zentrum des Interesses.

Herzstück der Transformation von SAP zum Cloud-Software Anbieter ist die Technologieplattform SAP HANA, die als Alleinstellungsmerkmal die „reinrassige“ Nutzung der In-Memory-Technologie aufweist. Die Plattform ist in einem sehr hohen Maße echtzeitfähig, selbst bei extrem großen Mengen zu verarbeitender Daten. SAP HANA könnte damit eine Schlüsselrolle bei der digitalen Transformation von unterschiedlichsten Geschäftsabläufen einnehmen und zudem das Entstehen ganz neuer, datenbasierter Geschäftsmodelle ermöglichen. Bekannte Beispiele für auf der HANA-Plattform laufende Anwendungen sind Business Intelligence (BI), Mobile und Cloud-Anwendungen, die auf vielfältige Weise Kundennutzen stiften. Aber auch exotischere Anwendungen lassen sich auf der HANA-Plattform aufbauen: So nutzte der Deutsche Fußball Bund HANA bei der WM 2014 und der (SAP-nahe) Fußball-Bundesligist Hoffenheim erstellt auf Basis der HANA-Technologie individuelle Trainingspläne für seine Spieler.

Bei der Transformation des eigenen Geschäftsmodells zeigt SAP eine enorme Geschwindigkeit. Das (neue) Cloud-Geschäft wies in 2014 ein Umsatzwachstum von 45% aus. Noch dynamischer war die Entwicklung beim Thema HANA: Die Zahl der Kunden, die die „SAP Business Suite on HANA“ einsetzen, wuchs 2014 um über 100%. Der HANA-bezogene Auftragsbestand stieg von EUR 1,4 Mrd. (Ende 2013) auf EUR 3,0 Mrd. (Ende 2014). Und SAP hat mit seinen Cloud-Aktivitäten keineswegs nur Lizenzumsätze verlagert, sondern auch neue Kundengruppen erschlossen, die mit der alten Lösungswelt nicht adressierbar waren. Ein Beispiel hierfür ist das On-Demand Mittelstandsprodukt Business ByDesign. Business ByDesign wird bevorzugt in den Niederlassungen großer Unternehmen eingesetzt, die in Verbindung mit SAP R/3 oder zukünftig SAP S/4HANA in der Zentrale eine flexible, skalierbare, kostengünstige und rasch implementierbare Lösung suchen. Im Vorfeld der CeBIT 2015 hatte SAP zudem mit SAP S/4HANA den Nachfolger für die SAP Business Suite vorgestellt, dem zentralen SAP-Anwendungspaket mit ERP, CRM, PLM und SCM Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen und Großkonzerne. Die neuentwickelte Business Software Generation ist nur auf SAP HANA lauffähig und nutzt die Vorteile der Plattform, etwa weniger Komplexität, einen deutlich geringeren Ressourcenverbrauch und die Verarbeitung in Echtzeit, konsequent aus. Für den Umstieg von der bisherigen SAP Business Suite auf SAP S/4HANA wurden elegante Übergangsszenarien geschaffen. Voraussetzung ist jedoch ein Betrieb der SAP Business Suite auf der HANA Plattform.

Bei der Vermarktung von Lösungen, die auf dieser Plattform aufsetzen, ist SAP erheblich auf starke und entsprechend große Partner angewiesen. Denn der erfolgreiche Einsatz entsprechender Anwendungen erfordert von den Nutzern die Anpassung ihrer IT-Infrastrukturen sowie eine optimale Betreuung. Und hier kommt die All for One Steeb AG ins Spiel. Als Komplettdienstleister mit Fokussierung auf den deutschsprachigen Raum bietet die Gesellschaft Lösungen und Leistungen entlang der gesamten IT-Wertschöpfungskette. Mit einer Kundenbasis von mehr als 2.000 Unternehmen und über 1.100 Mitarbeitern ist All for One die Nr. 1 für SAP-Lösungen im deutschsprachigen Raum. Diese Position bietet der Gesellschaft die große Chance, das Geschäft mit der eigenen Bestandskundenbasis massiv auszuweiten und gleichfalls neue Kundensegmente zu erschließen. Das Unternehmen hat sich früher als andere SAP-Häuser dazu entschieden, Expertise in neuen Technologien (SAP HANA, Mobile, Cloud, BI) aufzubauen sowie Zertifizierungen zu erwerben und kann daher bereits mit Referenzen (auch bei Großkonzernen) aufwarten. Da neue Anwendungen/Technologien üblicherweise zuerst von Großkonzernen eingesetzt werden, bevor sie sich im Mittelstand in der Breite durchsetzen, verfügt All for One Steeb bereits heute über den notwendigen Erfahrungsschatz und bietet mittlerweile bezogen auf HANA von der Evaluierung über die Implementierung bis zum Produktivbetrieb aus ihren Rechenzentren ein umfassendes Service Portfolio an. Gerade der Managed-Cloud-Betrieb, der durch die Skalierung in den zentralen Rechenzentren (Realisierung von Kostenvorteilen) und mehrjährige Vertragsbeziehungen hervorsticht, ist aufgrund der wiederkehrenden Umsätze strategisch interessant.

Mit ihrem Managed Services Portfolio stellt All for One Steeb umfassende Unternehmenssoftwarelandschaften zusammen und bezieht dazu alle IT-Betriebsmodelle mit ein, neben dem Cloud-Betrieb auch hybride Modelle (Mischbetrieb von On-Premise und Cloud) sowie reinen On-Premise-Betrieb (Remote Support). Es verwundert daher nicht, dass unter den zehn größten Anbietern Konzerne wie HP und T-Systems zu finden sind. Umso beachtlicher ist es, dass All for One Steeb, basierend auf der großen Basis an SAP-Mittelstandskunden, innerhalb weniger Jahre in diese Spitzengruppe aufrücken konnte. Galten SAP-(ERP)-Lösungen früher im Mittelstand oft als zu komplex, überdimensioniert und teuer, so ändert sich dieses Bild nicht nur mit der SAP S/4 HANA Lösung sehr deutlich. Auch SaaS/Cloud-Angebote, Cloud-basierte Lösungen wie Business ByDesign oder die Angebote von SuccessFactors (HCM) werden in großen Schritten bzw. sind bereits auf die HANA-Plattform umgestellt. Damit erweitert sich der von All for One Steeb adressierbare Markt erheblich und rückt zunehmend auch die Fachabteilungen von Großunternehmen und deren eigene IT-Budgets in den vertrieblichen Fokus.

Bei vielen Neukundenprojekten der All for One Steeb ist die HANA-Plattform im zurückliegenden Jahr bereits ein Thema gewesen. Neben konkreten Projekten ging es oft darum, mit der neuen Lösung „HANA-ready“ zu sein. Die Gruppe der Mittelständler, die HANA jetzt genauer beobachten, um dann gegebenenfalls mittelfristig selbst aktiv zu werden, scheint gegenwärtig stark zu wachsen. Dazu trug auch die Vorstellung der neuen Softwaregeneration SAP S/4HANA als Nachfolgerin der SAP Business Suite unmittelbar vor dem Start der CeBIT 2015 bei. SAP selbst sieht S/4HANA als Meilenstein, der die Komplexität von IT-Landschaften erheblich reduziert. Durch die neue Produktgeneration werden von SAP zunächst vor allem visionäre Unternehmen angesprochen, für die innovative Geschäftsprozesse einen großen Wettbewerbsvorteil darstellen. Es erscheint vor diesem Hintergrund wahrscheinlich, dass SAP S/4HANA erst allmählich an Fahrt aufnehmen bevor es mittel-bis langfristig auch im Mittelstand eine große Verbreitung finden wird. Als Investitionsperspektive muss dem R/3 Nachfolger jedoch heute bereits Bedeutung zugemessen werden.

SAP selbst differenziert zwischen drei verschiedenen Cloud-Geschäftsmodellen: 1) Public Cloud 2) Business Network und 3) Private Cloud. Der Großteil der Managed-Cloud-Umsätze der All for One Steeb sind gegenwärtig dem Bereich „Private Cloud“ zuzurechnen, dem Betrieb von ERP-Systemen und Applikationen in den Rechenzentren. Die zugrunde liegenden Managed-(Cloud)-Services-Verträge weisen Laufzeiten von bis zu fünf Jahren auf, die meist in einer Erneuerung des Vertrages münden. Auch mit den anderen beiden SAP-Cloud-Geschäftsmodellen, etwa bei Business ByDesign, erzielt All for One Steeb längst steigende wiederkehrende Umsätze. Auch wenn bei All for One Steeb derzeit vor allem Private-Cloud-Angebote einen interessanten Zugang zu wiederkehrenden Umsätzen bilden, dürften zukünftig auch Public-Cloud- und Business-Network-Angebote der SAP beträchtliche zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Weil die SAP-Public-Cloud-Angebote (wie z.B. die der im Bereich HCM aktiven SAP-Tochter SuccessFactors) dem klassischen SaaS-Modell (Software-as-a-Service) folgen, sind sie mit den Angeboten (junger) pure-cloud Anbieter am ehesten vergleichbar. Das SAP-Business-Network ist das größte seiner Art. Zusammengefasst sind hier die Einheiten Ariba (B2B-(Einkaufs-)Plattform, Sourcing, Vertragsmanagement, Cash Management), Fieldglass (Vendor-Management-System), Hybris (Commerce) und Concur (Reisemanagement). Die Geschäftsmodelle weisen eine hohe Kundenbindung auf und bieten der SAP ein stabiles Umsatzwachstum.

Eine weitere Folge des Cloud-Trends ist, dass IT stärker auch von den Fachabteilungen der Unternehmen außerhalb des EDV-Bereichs beschafft wird. Dies wird möglich, da viele Lösungen nicht mehr Inhouse betrieben werden müssen und nutzungsabhängig zur Verfügung stehen und vergütet werden. Für SAP-Partner wie All for One Steeb bedeutet diese Entwicklung, dass gute Kontakte zur IT-Abteilung alleine nicht ausreichen, um Cloud Lösungen in den verschiedenen Fachabteilungen zu platzieren. Als Konsequenz daraus verfolgt All for One Steeb eine Mehrmarkenstrategie (KWP, avantum, Grandconsult DEXINA, Webmaxx) sowie eine Fachvertriebsorganisation, um die Fachabteilungen themenspezifisch zu adressieren. Umgekehrt verstärkt das hohe Innovationstempo den Wunsch der Kunden nach möglichst wenigen Ansprechpartnern, die alle IT-Themen aus einer Hand abdecken. Zwischen den Software- und Technologieherstellern auf der einen und den Anwenderunternehmen auf der anderen Seite sind zunehmend „Orchestrierer“ gefragt, die Anwendungs- und Systemlandschaften konzipieren, passend zusammenführen und industriell, sicher und hochverfügbar in der Cloud betreiben. Diesem Anforderungsprofil entspricht All for One Steeb mit der Aufstellung als One-Stop-Shop. Für kleinere (SAP-)Häuser ist eine solche Strategie hingegen nicht gangbar, da hohe Fixkosten für die Bereitstellung der benötigten Ressourcen (zertifizierte Mitarbeiter, IT-Infrastruktur, allgemeine Arbeitsplatzattraktivität) anfallen würden. Als Alternative bleibt die enge Kooperation kleinerer Spezialisten mit größeren Partnern – allein All for One Steeb ist in Deutschland rund 80 solcher Partnerschaften eingegangen (All for One Steeb Businesspartner Programm).

Vor diesen Hintergründen erscheint es wahrscheinlich, dass die Anzahl der SAP-Partner in den kommenden Jahren insgesamt abnehmen wird, während Größe und Leistungsspektrum der verbleibenden Partner zunehmen werden. Letztere werden in besonderem Maße von den Umbrüchen bei SAP profitieren, weil SAP-ERP bei den betreuten SAP-Bestandskunden als logischer Startpunkt für weitere Angebote dienen kann und IT-seitige Trends wie Cloud-Services oder mobile Lösungen es den SAP-Partnern ermöglichen das eigene Geschäftsfeld auszuweiten ‑ auch auf angrenzende Non-SAP-Lösungen und Dienste. All for One Steeb hat sich hierfür bereits positioniert und so eine gute Ausgangslage geschaffen, mittelfristig eine (nachhaltige) Margenausweitung realisieren zu können.