„Wir sind durchfinanziert“

Die paragon AG ist aussichtsreich ins Geschäftsjahr 2015 gestartet verfolgt mittelfristig große Pläne. Im Gespräch mit BankM erklärt CEO Klaus Dieter Frers, warum er die Herabstufung für ein Fehlurteil hält, weshalb der Automobilzulieferer trotz hoher Expansionskosten hervorragend dasteht und wieso er aktuell nicht daran denkt, die Aktienmehrheit an der Gesellschaft abzugeben.

BankM: Im Juni büßte die paragon-Aktie – mutmaßlich beeinflusst durch die Ratingherabstufung der Anleihe – zwischenzeitlich deutlich an Wert ein. Wie passt das zum Fakt der Unterbewertung, den Sie Mitte Mai auf der Hauptversammlung identifiziert hatten?

Frers: Unsere Fundamentaldaten ergeben ein ganz anderes Bild als die derzeitige Börsenkapitalisierung. Das sehen auch die Analysten so, deren Kursziele unabhängig voneinander sehr deutlich oberhalb des jetzigen Kursniveaus liegen. Im Übrigen glaube ich nicht, dass das aktuelle Anleihe-Rating einen Einfluss auf die Aktie hat. Hier scheinen mir eher Ängste bezüglich des Ausgangs der Griechenlandkrise die Ursache zu sein, obwohl dies mit uns natürlich nichts zu tun hat.

BankM: Mit Kursen auf Höhe der Analysteneinschätzungen (25-26 Euro) wären Sie vorerst sehr zufrieden, war ein weiteres Bonmot Ihrer HV-Rede. Welches Potential sehen Sie persönlich mittel- bis langfristig?

Fers: Durch die intensive Arbeit der letzten Jahre haben wir uns eine hervorragende Ausgangsposition für die Zukunft geschaffen. Das daraus resultierende Wachstum ist nachhaltig, entsprechend entwickelt sich auch die Aktienkurserwartung stetig fort.

BankM: Gerade bei Automobilwerten schauen Investoren sehr genau auf die Verschuldung, schließlich ist die Erinnerung an die Finanzkrise und die zahlreichen Pleiten immer noch sehr präsent. Zwar wächst der Automobilmarkt seit mehreren Jahren, doch mit Blick auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Europa sowie in wichtigen Wachstumsmärkten wie China, Brasilien oder Russland, mehren sich auch die Fragezeichen. Was entgegnen Sie vor diesem Hintergrund Investoren, die sich angesichts gestiegener Verschuldung bei gleichzeitigem Liquiditätsrückgang fragen, ob die paragon AG für einen eventuellen konjunkturellen Einbruch oder mögliche Anlaufschwierigkeiten in China und den USA ausreichend gerüstet ist?

Frers: Auch wenn die Wachstumsrate in China zurückgeht, Europa stagniert, Brasilien nicht mehr so wie früher läuft und Russland stark zurückgeht, wird vor allem der Markt für Premiumfahrzeuge weiter wachsen - und das ist für uns das Entscheidende. Andere Länder wie beispielsweise Indien werden zukünftig eine größere Rolle spielen. Zudem haben wir uns durch die Fokussierung auf höherwertige Systeme eine Sonderkonjunktur geschaffen, die uns ein überdurchschnittliches Wachstum beschert. Und das ist kein Trend für ein oder zwei Jahre, sondern eine mittel- und langfristige Strategie. Darüber hinaus können wir konjunkturelle Schwankungen durch unsere schlanken Strukturen heute besser verkraften als noch vor sieben Jahren. Und als letzter und vielleicht wichtigster Punkt: Mit dem Wachstum im Bereich Elektromobilität – bereits 2019 könnte dies unser Hauptumsatzträger sein – schaffen wir uns nach und nach ein starkes zweites Standbein.

BankM: Trotzdem hat Creditreform die paragon AG unter Verweis auf die im Zuge der Expansionsstrategie zuletzt verschlechterten Bilanzrelationen sowie die noch unsicheren Aussichten des Bereichs Elektromobilität zurückgestuft. Hat Sie diese Entscheidung überrascht und wie gehen Sie damit um?

Frers: Alle Banken und Investoren, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, verstehen die einfachste Sache der Welt: man investiert, und dann dauert es eine Weile, bis sich die Investitionen auszahlen. Creditreform sieht das anders und hat in meinen Augen deshalb ein Fehlurteil gefällt.

BankM: Richtig ist aber, dass Sie 2015 und 2016 weitere signifikante Wachstumsinvestitionen planen. Wie sollen diese finanziert werden und können Sie sich im Zuge der Expansionsstrategie mittel- bis langfristig vorstellen, die Mehrheit an der Gesellschaft - beispielsweise im Zuge einer Kapitalerhöhung - abzugeben?

Frers: Auf einen längeren Zeitraum will ich nichts ausschließen, ohne einen fairen Aktienkurs ist daran aber noch nicht einmal zu denken. Die nötigen Mittel für die 2015 und 2016 geplanten Investitionen haben wir bereits beschafft und sind durchfinanziert.

BankM: Internationalisierung und Elektromobilität sind die zwei Kernelemente der Expansionsstrategie. Mit dem mehrjährigen Auftrag eines Auto- oder Motorradherstellers haben Sie kürzlich einen weiteren Erfolg im Bereich Elektromobilität gefeiert. Steht der lang erwartete Durchbruch der Elektromobilität im PKW-Bereich endlich bevor und sind unter den Herstellern, die sich bei Ihnen in Delbrück die Klinke in die Hand geben, auch deutsche Unternehmen, oder spielt Deutschland bei der E-Mobilität weiterhin nur eine Nebenrolle?

Frers: Ich glaube, dass diese Wertung nicht richtig ist. Schon in den nächsten 12 bis 18 Monaten sollten Sie sehen, zu was deutsche Hersteller in der Lage sind. Wir orientieren uns dabei aber eher an Lösungen, die sich mit einiger Sicherheit auch in den kommenden Jahren realisieren lassen und kümmern uns weniger um hehre Ziele. Aber wenn die Autoindustrie nach innovativen und effizienten Systemen fragt, stehen wir natürlich parat.

BankM: Bis dahin konzentrieren Sie sich lieber auf bestimmte spannende Felder - siehe die Kooperationen mit Vossloh und Triathlon. Wo sehen Sie gemäß Ihrer Philosophie, sich nicht an Langfriststudien, sondern am aktuellen Bedarf zu orientieren, weitere Chancen für paragon Im Bereich Elekromobilität?

Frers: Wir haben spannende Projekte für Fahrzeuge, die unter Tage arbeiten. Der Bereich der Starterbatterien wird ebenfalls immer wichtiger. Zudem sprechen wir mit Triathlon darüber, die Kooperation auf die USA auszuweiten. Die US-Vertretung von Triathlon ist jedenfalls mit an unserem Standort in Texas angesiedelt.

BankM: Was macht den Wettbewerbsvorteil Ihrer Batteriepacks aus, so dass Sie in Zukunft sogar der günstigen chinesischen Konkurrenz vor der eigenen Haustür machen möchten?

Frers: Als etablierter Automobilzulieferer haben wir es wohl besser als andere verstanden, auf Basis einer Baukastenstrategie sichere und effiziente Batteriepacks zu entwickeln und diese in die Fahrzeugarchitektur zu integrieren. Hinzu kommt unser Wissen um vollautomatisierte Produktion, das wir hier voll zur Anwendung bringen können.

BankM: In China konzentrieren Sie sich vorerst aber auf Lösungen für das Luftgütemanagement. Wie anspruchsvoll ist dies bei den dort herrschenden extremen Bedingungen?

Frers: Schon seit einigen Jahren machen wir umfangreiche Testfahrten in China. Wenn es einem Unternehmen gelingt, für diesen Markt angepasste Geräte zu entwickeln, dann uns als Weltmarktführer.

BankM: Nach dem geplatzten Joint Venture wollen Sie den Markteinstieg - anders als die meisten internationalen Konzerne – auf eigene Faust schaffen und haben bereits Aufträge von vier chinesischen Herstellern gewonnen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis und was waren letztlich die Gründe für den Vertrauensverlust, der zum Scheitern des Joint Ventures geführt hat?

Frers: Als Deutsche vertrauen wir darauf, dass Vertragspartner sich an gültige Verträge halten. Ist das nicht der Fall, ist das Vertrauen dahin. Daher haben wir die Expansion nun alleine begonnen. Es ist zudem ein Unterschied ob ein Großunternehmen nach China geht, oder ein Mittelständler. Konzerne müssen Joint-Ventures schon allein aufgrund der rechtlichen Bestimmungen eingehen; bei Firmen wie paragon ist das nicht mehr der Fall und seitdem etablieren sich immer mehr Unternehmen ohne Beteiligung chinesischer Partner.