Momentum

19.12.2017

Relative Stärke RSL

Relative Stärke - RSL Monthly

Was versteht man unter Relativer Stärke nach Levy (RSL)?

Das Verfahren der „Relativen Stärke“ nach Robert A. Levy (RSL) ist ein quantitatives Auswahlkonzept für Investmententscheidungen. Den theoretischen Hintergrund für den Einbezug der relativen Stärke als Entscheidungsparameter einer Investmentstrategie bildet die Annahme, dass die Kursentwicklung von Aktien im Zeitverlauf Trends aufweist, und sich einzelne Werte entsprechend relativ stark oder relativ schwach entwickeln. Im Gegensatz zur klassischen Chartanalyse hilft das Konzept von Levy bei der Suche nach den jeweils erfolgsversprechendsten Instrumenten zu einem gegebenen Zeitpunkt und nicht bei der Ermittlung des besten Einstiegszeitpunkts in einem bestimmten Wert.

Was ist das Ziel einer Analyse unter Zuhilfenahme der RSL?

Jede auf der relativen Stärke aufsetzende Analyse verfolgt das Ziel, Informationen über die Dauerhaftigkeit einer Kursentwicklung zu generieren und somit Trends bzw. Veränderungen zu identifizieren, um daraus Anlageentscheidungen abzuleiten. Der Vergleich der unterschiedlichen RSL-Werte des Anlageuniversums gibt Hinweise auf die relative Stärke oder Schwäche einzelner Instrumente, wobei implizit von der Trendkontinuität ausgegangen wird.

Wie berechnet man die relative Stärke nach Levy?

Das Konzept von Levy veranschlagt, sofern bei den Instrumenten eine entsprechende Historie vorliegt, einen Beobachtungszeitraum von 27 Wochen (ca. sechs Monate) als sogenannte Trend-Formationsperiode. Die Berechnung des RSL erfolgt entsprechend nach folgender Formel:

 RSL Quotient

Der RSL-Wert ist somit definiert als Quotient aus dem letzten Wochenschlusskurs des Instruments und dem (gewichteten) gleitenden Durchschnitt der vergangenen 27 Wochenschlusskurse. Der Wert 1,05 bedeutet beispielsweise, dass der Kurs einer Aktie im Beobachtungszeitraum vom gewichteten gleitenden Durchschnittswert der letzten 27 Wochen in Höhe von EUR 100,00 auf zuletzt EUR 105,00 gestiegen ist. Andersherum bedeutet ein RSL-Wert von 0,95 eine Kursentenwicklung von EUR 100,00 auf gewichtet EUR 95,00.

RSL-Werte >1, bei denen der Wochenschlusskurs über dem (gewichteten) gleitenden Durchschnitt liegt, dokumentieren somit eine „innere“ relative Stärke. Umgekehrtes gilt für Werte <1.

Welche Instrumente betrachten wir?

Grundlage unserer Betrachtung sind europäische Branchenindizes. So können Sie rechtzeitig Sektoren identifizieren, die zum jeweiligen Zeitpunkt eher gefragt bzw. eher weniger gefragt sind (relativ stark/relativ schwach) und etwaige Veränderungen in den Branchentrends erkennen. Darüber hinaus betrachten wir deutsche Aktien, um ein Screening auf Einzeltitelebene zu erhalten. Als Universum ziehen wir den Prime All-Share Index heran. Somit betrachten wir regelmäßig über 300 Werte, die an der Frankfurter Wertpapierbörse im Regulierten Markt notieren.

Wie erfolgt unsere Auswertung?

In der Betrachtung stellen wir die Einzelergebnisse der RSL-Werte des Anlageuniversums gegenüber und bringen Sie in eine Rangfolge. Das Instrument mit dem höchsten RSL-Wert erhält dabei die Rangziffer 1, das mit dem niedrigsten Wert die letzte Rangziffer im betrachteten Universum. Ein Rang mit dem Wert 0 resultiert aus einer nicht ausreichenden Historie im Basiswert und fließt nicht in die Betrachtung mit ein.

Wie können Sie diese Informationen nutzen?

Basis für die Umsetzung einer eigenen Anlagestrategie ist die Rangliste. Diese gibt unter anderem darüber Aufschluss:

 

  • welche Aktien/Indizes in der betrachteten Periode die größten Veränderungen in der Rangliste verzeichnen,

und

  • welche Aktien/Indizes die beste bzw. schlechteste Performance innerhalb eines Beobachtungszeitraumes aufweisen

Besonders zu beachten sind Veränderungen in der Rangfolge der einzelnen Werte. Diese deuten auf sich herausbildende Korrekturen oder andauernde Trends hin und gehen meist mit signifikanten Veränderungen der betroffenen RSL-Werte einher.

Nach Levy werden die ersten 5-7 Prozent der Instrumente einer Rangliste gleichgewichtet in ein Portfolio aufgenommen. In der Folgezeit wird die Entwicklung der Platzierung wöchentlich überprüft. Sobald ein Wert aus dem Universum eine bestimmte Platzierung innerhalb der Rangliste unterschreitet („cast-out-rank“) soll dieser sofort verkauft werden. Der cast-out-rank ermittelt sich für Levy aus dem schwächsten Drittel der Werte einer Rangliste. So versucht die Anlagestrategie zu allen betrachteten Zeitpunkten die effizienteste Auswahl der einzelnen Werte sicherzustellen.

 

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