Momentum

24.10.2019

Vorstandsgespräch

SME AG – Kritische Rohstoffe aus Deutschland

Die Saxony Minerals & Exploration – SME AG emittiert eine fünfeinhalbjährige Anleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 7,75% und einem Volumen von bis zu 30 Mio. Euro. Im Gespräch mit BankM erklärt Klaus Grund, Vorstand und promovierter Bergbau-Ingenieur, die Hintergründe der Emission und die Bedeutung für den Industriestandort Deutschland.

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BankM: Die SME AG hat der Bergbautradition im Erzgebirge neues Leben eingehaucht. Mit welcher Vision wurde das Unternehmen 2012 gegründet?

Grund: Unser Ziel war es von Anfang an, im Erzgebirge wichtige Industriemetalle wie Wolfram und Fluorit zu fördern und aufzubereiten. Und zwar zu attraktiven Bedingungen für Abnehmer, Umwelt und Investoren. Aktuell werden Wolfram und Fluorit ganz überwiegend in China sowie zu geringerem Anteil in Vietnam, Mexiko, Russland und der Mongolei gewonnen. Westliche Produzenten gibt es kaum, wir wollen hier eine Lücke besetzen und der Industrie die Chance bieten, die Abhängigkeit von China zu verringern. Gerade Deutschland gehört zu den größten Importeuren von Wolfram, Zielbranchen sind u.a. Luft- und Raumfahrt-, High-Tech- und Automobilindustrie sowie der Bergbau. Fluorit, auch bekannt als Flussspat, findet Verwendung in der Konsumgüter-, der Glas- und Elektronikindustrie oder auch in Arzneimitteln.

BankM: Wie nah sind Sie Ihrer Vision im Oktober 2019 schon gekommen?

Grund: Seit diesem Sommer fördern wir über unseren 176 Meter tiefen Erkundungsschacht erste Mengen an Roherzen und bereiten diese in einer eigens installierten Pilotanlage erfolgreich auf. Der Betrieb funktioniert also und die Laboranalysen übertreffen den erwarteten Rohstoffgehalt teilweise sogar. Die größten Hürden haben wir also bereits gemeistert, jetzt geht es ausschließlich um die Überführung in den kommerziellen Betrieb. Das beinhaltet im Wesentlichen den Bau einer horizontalen Rampe zur effizienten, kostengünstigen und umweltschonenden Förderung sowie die Erweiterung der Aufbereitungsanlage.

Nachgewiesene Lagerstätte mit bestehender Infrastruktur

BankM: Was macht Sie zuversichtlich, sich in Zukunft als einer der wenigen westlichen Anbieter am Weltmarkt behaupten zu können?

Grund: Hier sprechen insbesondere zwei Faktoren für uns: Erstens ist Pöhla eine polymetallische Lagerstätte mit Wolfram-, Zinn- und Fluoritvorkommen, was das Risiko reduziert. Und zweitens ist die Lagerstätte historisch extrem gut erkundet. Schon zu DDR-Zeiten wurde durch die SDAG Wismut ein Netz aus 16km Stollenlänge und mehr als 120.000 Meter engmaschigen Bohrungen gezogen, die erforderliche Infrastruktur aus Straßen, Strom- und Wasserversorgung sowie Abwassersystem ist ebenfalls bereits vorhanden. Die heutigen Investitionskosten zur Re-Produktion des Status belaufen sich auf schätzungsweise 80-100 Mio. Euro. Gleichzeitig fand aber kein Abbau von Wolfram und Fluorit statt, weil damals stattdessen (vergeblich) nach Uran gesucht wurde. So sind heute noch alle „Filetstücke“ vorhanden und der prozentuale Wolfram-Gehalt mit 0,46 Prozent im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch.

BankM: In der Presse war von der „Jagd nach einem Milliardenschatz“ zu lesen. Wie nahe kommen solche Schlagzeilen der Wirklichkeit?

Grund: Naja, damit ist wahrscheinlich eher der Gesamtmarkt gemeint. Tatsächlich können wir unsere Fördermengen auf der Grundlage eines externen Gutachtens zu den abbaubaren Reserven sehr genau prognostizieren. Bei einer kalkulierten Lebensdauer der Mine von 16 Jahren und konservativ geplanten Abbauverlusten, liegt die jährliche Regelkapazität bei 400.000 Tonnen Roherz. Das entspricht einer verkaufbaren Menge von 1.200 Tonnen Wolfram und 21.000 Tonnen Fluorit pro Jahr. Legt man konstante Preise zugrunde, ergibt sich für die SME AG daraus ein jährliches Umsatzziel von 42 Millionen Euro bei einer Vorsteuermarge von gut 40 Prozent.

Preis- und Liquiditätspuffer

BankM: Rohstoffpreise unterliegen zum Teil starken Schwankungen. Was für eine Entwicklung prognostizieren Sie und wo liegt Ihre Gewinnschwelle?

Grund: Durch unsere schlanke AG-Struktur, die gute Infrastrukturanbindung, den hohen mineralischen Gehalt im Erz, einen effizienten Rampeneinsatz und den parallelen Abbau von Wolfram und Fluorit – also zwei Kostenträgern auf einer Anlage – sind unsere Produktionskosten sehr attraktiv. Auf der globalen Wolfram-Kostenkurve liegen wir im TOP-Quartil. Das verschafft uns einen hohen Puffer sowohl gegen Markteintritte als auch gegen Preisverfall. Weil der stetig steigenden Nachfrage eine sehr hohe Angebotskonzentration gegenübersteht, ist unser mittelfristiger Preisausblick für Wolfram aber sowieso recht positiv. Bei Fluorit gehen wir aufgrund des breiten Anwendungsspektrums von einer stabilen Preisentwicklung aus.

BankM: In den kommenden beiden Jahren werden Sie allerdings nur geringe Pilotumsätze generieren. Erst 2022 soll der kommerzielle Abbau starten, zunächst mit 75% Gesamtauslastung und ab 2023 dann unter Vollauslastung. Was bedeutet das für die Bedienung der Anleihezinsen?

Grund: Während der zweijährigen Investitionsphase planen wir nur mit geringen Cashflows. Deshalb hinterlegen wir die Zinszahlungen für die ersten beiden Jahre auch bei einem Treuhänder. Mit Beginn der kommerziellen Förderung 2022 rechnen wir dann mit einem Cashflow vor Steuern in Höhe von 7 Millionen Euro und ab 2023 von jährlich 17 Millionen Euro. Über die Gesamtlaufzeit der Anleihe ist die Cash-Generierung also deutlich höher als das Anleihevolumen.

BankM: Das schützt Sie auch vor Verzögerungen, dem wahrscheinlich größten Risiko in einem solchen Bergbauprojekt.

Grund: Richtig, selbst eine Verzögerung um 1 Jahr – also eine zeitliche Abweichung um 50 Prozent gegenüber unserer Planung – könnten wir abdecken. Darüber hinaus haben wir bei den 30 Millionen Euro Anleihevolumen einen substanziellen Liquiditätspuffer einkalkuliert - basierend auf bereits verhandelten Verträgen planen wir mit Investitionen in Höhe von 20,4 Millionen Euro. Rund die Hälfte davon für den Bau der Rampe und weitere 4 Millionen für die Erweiterung der Aufbereitungsanlage. Dass die Auszahlungen nach Bauvorschritt erfolgen gibt uns zusätzliche Sicherheit. Grundsätzlich sind wir aber sehr zuversichtlich hinsichtlich unseres Zeitplans. Technische Schwierigkeiten wie etwa mit dem Wassereinlauf bei der Bohrung des Erkundungsschachts, sind nicht mehr zu erwarten und alle notwendigen Genehmigungen haben wir auch aufgrund der in Vorstand und Aufsichtsrat vereinigten Bergbaukompetenz und politischen Verbindungen immer rechtzeitig erhalten.

Attraktiv für Abnehmer, Umwelt und Investoren

BankM: Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sind zwei Stichworte, die auf allen Ebenen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Der Bergbau hat diesbezüglich nicht unbedingt den besten Ruf…

Grund: Wir produzieren ausschließlich in Deutschland und zwar nach höchsten Umwelt- und Sozialstandards. Zudem investieren wir ja nicht auf einer grünen Wiese, sondern in einem erschlossenen Gebiet mit langer Bergbautradition. Eine aktuelle Nachhaltigkeitseinschätzung durch imug | rating, eine der führenden deutschen Nachhaltigkeits-Ratingagenturen, bestätigt die Einhaltung der hohen deutschen Umwelt- und Sozialstandards, der vom UN Global Compact verabschiedeten Leitprinzipien eines verantwortlichen Unternehmensverhaltens sowie der vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) definierten Mindestkriterien für Investitionen in nachhaltige Geldanlagen. Besonders beeindruckt zeigte sich die imug von Umfang und Detailtiefe der Genehmigungsunterlagen zu umweltrelevanten Themen wie Wasserwirtschaft und Halde. Gerade hier heben wir uns sehr deutlich von den Anbietern aus China ab. Der Nachweis durch die gesamte Lieferkette wird immer wichtiger, so dass auch unsere Kunden daraus einen Wettbewerbsvorteil ziehen.

BankM: Vor den Kunden müssen Sie aber zunächst die Investoren überzeugen. Welche Vorteile bietet Ihre Anleihe?

Grund: Hohe Kosteneffizienz und ein überdurchschnittlicher mineralischer Gehalt resultieren in starken Cashflows und Erträgen. Gleichzeitig minimieren hohe Vorabinvestitionen, langjährige Erkundung, erfolgreiche Pilotierung, signifikanter Preispuffer und ein robustes Sicherheitenkonzept für die Anleihe die Risiken. Das alles bei einem jährlichen Zins von 7,75 Prozent. Gesamtwirtschaftlicher betrachtet, ist die Revitalisierung der Vorkommen im Erzgebirge von strategischer Bedeutung für die Versorgungssicherheit in Deutschland.

Daten und Fakten zur Anleiheemission

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